Conscience

 Das musikalische Talent liegt in der Familie 

2026 ist ein ganz besonderes Jahr für dein Projekt Conscience. Das erste Album in der Konstellation als Duo mit ist erschienen. Aber bevor wir uns mit dem neuen Album beschäftigen erst einmal die Bitte, Dich und Conscience den Lesern einmal vorzustellen.

M-A-U: Seit wann gibt es Conscience und wie ist das Projekt seinerzeit angestartet?

Rüdiger: Conscience habe ich im August 1991 als Soloprojekt gestartet, quasi an dem Tag an dem ich mir meinen ersten Synthesizer gekauft habe (Yamaha SY22). Mangels Equipment hab ich die ersten Monate noch rein instrumental gearbeitet. Alles wurde damals auf Cassette aufgenommen.

M-A-U: Hattest du schon vor Conscience musikalische Ambitionen, also in anderen Projekten, Bands, etc?

Rüdiger: Ja, mein Vater hatte eine leicht defekte Heimorgel, an die ich mich immer mal rangesetzt habe, aber es gab keine Möglichkeit für mich irgendetwas aufzunehmen.
Auch auf dem C64 hab ich etwas rumexperimentiert.
Mit einem Freund hatte ich das kurzlebige Projekt „Agony“ zu dem ich Text und Gesang für zwei Stücke beisteuerte.

M-A-U: Nun ist Conscience durch den Einstieg von Isi zum Duo angewachsen. Isi, magst du dich einmal vorstellen (bzw. Rüdiger, wenn du Isi einmal vorstellen magst.)

Insa: Klar gerne! Ich bin Isi bzw. Insa, 20 Jahre alt und studiere derzeit. Ich bin mit Musik aufgewachsen, weshalb sie schon immer eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hat. Und umso dankbarer und glücklicher bin ich darüber, ein Teil von Conscience sein zu dürfen.
 

M-A-U: Wie habt ihr euch kennen gelernt und was hat dann den Ausschlag gegeben, das ihr als Duo weiter machen wollt.

Rüdiger: Nun, ich kannte sie schon immer, denn sie ist meine Tochter und auch musikbegeistert. Da sie gerne singt, war das dann einfach naheliegend.
 

M-A-U: Erzählt einmal ein bisschen über eure Musik. Wie würdet ihr jemand Fremden euren Stil beschreiben?

Rüdiger: Vergleiche hab ich schon eine Menge gehört, passende (Twice a man) und unpassende (Sisters of mercy). Die Musik ist durch die 80er klar beeinflusst, aber nicht nur durch den Mainstream sondern auch durch instrumentale Musik wie Tangerine dream oder Jean-Michel Jarre, auf der anderen Seite aber auch durch EBM, Wave/Darkwave. Im Laufe der Zeit kamen ProgRock und Metall als weitere Einflüsse hinzu. In jedem Song hat einer dieser Einflüsse die Oberhand, aber es wechselt von Song zu Song, wie man auf dem neuen Album auch gut hören kann. Kurz: Es ist eine Mischung aus allem, was ich mag und das hat einfach eine große Bandbreite.
 

M-A-U: Nun einmal zum neuen Album „Suspended in time“. Hieraus haben bereits die beiden ausgekoppelten Singles „Control“ und „Memories do always win“ für Aufmerksamkeit gesorgt. Wie seid ihr an die Produktion des Albums heran gegangen?

Rüdiger: Das letzte reguläre Album liegt schon ein paar Jahre zurück. Dazwischen kamen dann die Remakes älterer Songs und die Fortführung alter Ideen. Irgendwie war mal wieder ein Album mit neuen Stücken fällig und es gab schon ein paar Ideen in unterschiedlichen Stadien. Die sind dann über die Zeit gereift und Insa kam erst gegen Ende dazu und hat dem Album nochmal eine ganz neue Facette verliehen. Ihr Einfluss reicht hier über den reinen Gesangspart hinaus. Ich wollte bei drei Stücken auch ein echtes Schlagzeug dabei haben und auf dem einen ein echtes Saxophon. Alles für Conscience völlig neue Elemente.
 

M-A-U: Wie hat sich die Produktion gegenüber den Vorgängerveröffentlichungen verändert, da du (Rüdiger) ja jetzt eine feste Mitstreiterin hast?

Rüdiger: Ich entscheide nicht mehr alles alleine und hole mir aktiv Feedback. Dann versuche ich mögliche Parts für Insa schon mitzudenken. Am Ende entwickeln wir dann vieles bei den Gesangsaufnahmen und schauen, was funktioniert. Ich empfinde es als Bereicherung, aus meinem gewohnten Arbeitsprozess ausbrechen zu müssen. Es eröffnet neue Ideen.
 

M-A-U: Gibt es einen thematischen roten Faden, der durch das Album führt?

Rüdiger: Nicht wirklich, denn in dem Zeitraum in denen Musik und Texte entstanden sind, ist zuviel passiert. Einige Stücke passen aber thematisch sicher zusammen.

M-A-U: Woher nehmt ihr eure Inspiration für neue Tracks oder ein neues Album?

Rüdiger: Aus allem, was man hört, egal, ob gut oder schlecht. Manchmal schreibt sich ein Song irgendwie selbst innerhalb einer Stunde, manchmal ist es ein monatelanger Prozess. Insbesondere auch für die Texte sind das eigene Leben, die Situation in der Welt oder mein eigener Gedankenzirkus eine ständige Inspiration.

M-A-U: Auch in der Vergangenheit hast du bereits auf die Zusammenarbeit mit vielen Gastmusikern gesetzt, wo auch „Suspended in time“ keine Ausnahme bildet. Mit welchen Künstlern habt ihr hier zusammen gearbeitet.

Rüdiger: Am Schlagzeug waren verantwortlich: Warren van Dyk und Nicola D’Adamo. Das Saxophon kommt von Manuel Trabucco und Rich Gray hat auf einem Stück den Bass gespielt.

M-A-U: Was macht für dich eine gute Zusammenarbeit mit einem Gastmusiker aus?

Rüdiger: Zum Einen, dass sie die Vision des Produzenten (ich in diesem Fall) verstehen und zum Anderen dass sie einfach ihr Instrument beherrschen, also besser als ich es könnte. Das haben alle vier super hinbekommen und teilweise mehr abgeliefert als sie sollten.

M-A-U: In welchen Situationen findest du die Musiker, mit denen du ggf. zusammen arbeiten möchtest?

Rüdiger: Das ist sehr unterschiedlich. Den Manuel für das Saxophon hat mir z.B. ein anderer Musiker empfohlen. Manchmal ist es auch nur eine E-Mail „Hey, magst du was singen?“ Ich spreche teilweise gezielt Leute an, oder es ergibt sich etwas durch Zufall. Ich bin da immer offen.

M-A-U: Gibt es zu bestimmten Songs des Albums eine bestimmte Story? Vielleicht sogar eine eigene Lebenserfahrung?

Rüdiger: Sie haben eigentlich alle eine kleine Story. Eigentlich ist das sogar die Voraussetzung für einen Song. In „Memories do always win“ geht es darum, dass unsere Erfahrungen zu Erinnerungen werden, die widerum weitere Erfahrungen direkt beeinflussen, z.B. wie wir eine Erfahrung bewerten. Diese „Programmierungen“ in unseren Erinnerungen „gewinnen“ also (fast) immer, auch wenn wir gerne aus dem Muster ausbrechen möchten.
„The right to happiness“ ist musikalisch wie textlich eine Achterbahnfahrt. Das Stück war anfangs langweilig, wurde immer länger und komplexer, bis mir klar wurde, dass ich echtes Schlgazeug und einen besseren Bassisten als mich brauchte. Insa hat hier noch ein paar Flöteneinsätze. Der Track hat jedenfalls meinen alten Rechner an die Grenzen gebracht und ich wusste am Ende nicht mehr, ob das noch Conscience war. Ich wusste nur, ich muss das jetzt so machen.

M-A-U: Welchen Song habt ihr am schnellsten produziert, welcher hat am längsten gebraucht und jeweils warum?

Rüdiger: Am schnellsten...schwer zu sagen, vielleicht „Somewhere“. Am längsten sicher „The right to happiness“ und „Stuck in the past“.

M-A-U: Die Covergestaltung ist bei Conscience auch immer besonders. Wer zeichnet bei euch für die Cover verantwortlich?

Rüdiger: Viele ältere Cover hat Sebastian Sollfrank gemacht, Olaf Jürß hat auch ein paar beigesteuert, der Rest ist von mir bzw. auch mit Hilfe von KI erstellt in den letzten 2 Jahren. Manche Cover sind auch nur bearbeitete Fotos von mir wie z.B. bei der „Black lines EP“ oder der Single „Girl in a car“.

M-A-U: Kannst du einen kleinen Einblick in euer musikalisches Labor geben? Mit welchem Equipment arbeitet ihr am liebsten?

Rüdiger: Das wechselt. Manchmal setze ich mich ans E-Piano oder nehme eine Gitarre zur Hand, manchmal ist es ein Instrument auf dem Computer oder ein Sample. Generell arbeite ich mit einer Mischung aus analogem Equipment und digitalem. Ich benutze auch Synthesizer, die ich schon seit 35 Jahren habe immer noch.

M-A-U: Wenn ihr mal keine Musik macht, wie verbringt ihr eure Freizeit? Hobbies, Familie, etc?

Rüdiger: Ich habe einen 40h Job, Insa studiert. Familie ist natürlich wichtig. Ich habe noch eine Radiosendung (Krimskrams butikken) in der ich immer neue Schwerpunkte setze.

M-A-U: Wie jeder Künstler schaut ihr sicherlich auch etwas über den Tellerrand. Welche musikalischen Künstler inspirieren Euch, aber auch Künstler aus anderen Genres z. B. Autoren, Maler, etc.

Rüdiger: Da gibt es die all time favourites wie Peter Gabriel, Midge Ure, Devin Townsend, Steven Wilson, Depeche Mode, Tangerine Dream, Twice a man und viele mehr. Ich entdecke aber auch gerade alte Sachen ganz neu, wie z.B. die Musik von Yes oder gerade sind mir zwei alte Icehouse-Alben in die Hände gefallen.
Bei Autoren ist es momentan Andreas Eschbach.

Insa: Mich inspirieren vor allem meine Lieblingskünstler, also Abel Tesfaye (The Weeknd), Grimes, Winter & Ningning von aespa, Heeseung von ENHYPEN, Taeyeon und BANKS. 
Da ich auch hin und wieder Gedichte schreibe, lasse ich mich auch gerne von Dichtern beeinflussen, wie beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe oder meinem Lieblingsdichter Joseph von Eichendorff. In allererster Linie fühle ich mich aber immer besonders inspiriert durch meine eigenen Gefühle, aber auch Umgebung ganz im allgemeinen. Kunst schafft man nicht geplant oder erzwungen, sondern viel mehr spontan und ehrlich, finde ich. Jede Alltagssituation kann Emotionen auslösen, und ich persönlich bin dann immer am kreativsten. 

M-A-U: Eure jeweilige All-Time Top10 in eurem Plattenregal.

Rüdiger (ohne Reihenfolge und nur Momentaufnahme):
1. Depeche Mode – Some great reward
2. Midge Ure – The gift
3. Peter Gabriel – So
4. Devin Townsend – Powernerd
5. Yes – Talk
6. Porcupine Tree – Deadwing
7. Steven Wilson – The future bites
8. Carpark north – All things to all people
9. Editors - EBM
10. Tangerine Dream – Hyperborea

Insa:
1. The Weeknd – Dawn FM
2. Grimes – Art Angels
3. Taeyeon – My Voice
4. aespa - Drama
5. enhypen – The Sin: Vanish
6. BANKS – Off With Her Head
7. Coldplay - Parachutes
8. Hurts – Exile
9. Sleep Token – Take Me Back To Eden
10. SZA - SOS

M-A-U: Welcher Song oder Album hat euch im letzten Jahr besonders geflasht?

Rüdiger: Steven Wilson – The Overview
Insa: The Weeknd – Hurry Up Tomorrow

M-A-U: Gibt es aktuelle Pläne bezüglich Live-Konzerten zum neuen Album?

Rüdiger: Leider nein. Wir versuchen schon lange an Auftritte zu kommen, aber das scheint recht schwierig zu sein. Das neue Album könnten wir ohne eine größere Band so auch nicht live umsetzen, aber der Backkatalog wäre ja reichhaltig.
 

M-A-U: Was werden wir im Laufe des Jahres 2026 noch von Euch hören?

Rüdiger: Es wird noch eine dritte Single aus dem Album geben und die vierte Single ist eine EP mit zwei neuen Stücken. Dann ist eine Singles-Collection in Arbeit und auch daraus wird es mindestens eine neue Single geben.

M-A-U: Last but not least: Gibt es eine Frage, die euch noch nie gestellt wurde, die ihr aber unbedingteinmal beantworten möchtet?

Rüdiger: Ja, vielleicht: „Gibt es noch Seitenprojekte?“
Die gibt es, bzw. derzeit ist es noch Science O.C.N.. Näheres wie auch zu Conscience auf science2.de

Vielen Dank das Ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt.

Kai Grothaus
für Northern Art Music BodyStyler Musikmagazin und www.music-and-arts-united.com